Auf der Leinwand begegnen wir Georg Loewits Protagonistinnen und Protagonisten erneut – doch hier scheinen sie sich in Farbe, Licht und Textur aufzulösen, um in einem anderen Medium wieder aufzutauchen. Wie in seinen Skulpturen entstammen sie oft Momenten des Alltäglichen: eine Geste im Vorübergehen, eine kurze Pause, ein flüchtiger Blick in die Ferne. Loewit verdichtet diese Augenblicke zu stillen Szenen von großer Präsenz. Farbflächen und Konturen bleiben bewusst offen, als würden sich die Figuren erst im Sehen der Betrachter:innen vollenden. So entsteht eine subtile Spannung zwischen Konkretion und Andeutung, zwischen Erzählung und Leerstellen.
Der Künstler spielt auch in der Malerei mit Wahrnehmung und Seherwartung: Perspektiven verschieben sich, Hintergründe kippen, Körper scheinen an den Bildrändern fast zu verschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Statt eindeutiger Geschichten bietet Loewit atmosphärische Bildräume an, in denen sich Fragmente von Erinnerung, Beobachtung und Imagination überlagern. Ein feiner, oft lakonischer Humor durchzieht viele seiner Bildfindungen – in unerwarteten Kombinationen von Figuren, in leicht überzeichneten Haltungen oder in reizvollen Kontrasten zwischen Motiv und Farbklang.
So treten Malerei und Skulptur bei Georg Loewit in einen engen Dialog: Die Bilder denken das Volumen seiner plastischen Arbeiten weiter, während die Skulpturen etwas von der Leichtigkeit und Offenheit seiner malerischen Handschrift in sich tragen. Beide Werkgruppen verbindet eine besondere Aufmerksamkeit für das Menschliche im scheinbar Nebensächlichen – und ein sensibles Interesse für jene kleinen Momente, in denen das Alltägliche plötzlich poetisch wird.
Georg Loewit, geboren 1959 in Innsbruck, studierte Holz- und Steinbildhauerei an der HTL in Innsbruck und absolvierte eine Ausbildung zum Goldschmied und Gürtler. Parallel dazu studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei den Professoren Lohwasser und Jünger und graduierte zum Bildhauermeister. Am Mozarteum Salzburg studierte er Kunstpädagogik. Er lebt und arbeitet in Innsbruck.
Journal anzeigen
Marrakesch VII
2019
Acryl auf Leinwand
80 × 100 cm

Opernball
2024
Acryl auf Leinwand
150 × 100 cm

Roncallli I
2024
Acryl auf Leinwand
120 × 80 cm

Tabletten AR6
2024
Acryl auf Leinwand
30 × 30 cm